Das Lungwitztal (1)

Der Lungwitzbach verfügt über ein Einzugsgebiet von 143 Quadratkilometern (Zwönitz. 144, Würschnitz: 137) und zählt damit zu den größten Fließgewässern des Erzgebirgischen Beckens.

Die Lungwitzquellen finden wir bei Ursprung und nördlich davon 385 - 395 m ü. NN, den höchstgelegenen Quellenpunkt aber abseits, 435 m ü. NN am oberen Ortsende von Wüstenbrand auf dem Südrand des Rabensteiner Höhenzuges. Der 24 km lange Wasserlauf besitzt ein Längsgefälle von rund 160 m, wovon 100 Höhenmeter auf den Oberlauf - bis zur Hegebachmündung - entfallen.

1910 kamen noch vor: Elritzen und Weißfische in großen Schwärmen, dazu Gründlinge, Bartgrundeln, Aale, Rotfedern; seltener Hechte, Schleien, Karpfen und in einem Mühlgraben das Bachneunauge. Krebse waren nicht selten. Den Fischen stellte der buntgefiederte Eisvogel nach. Dieser ist auch heute wieder zu sehen, da er seine Nahrungsgrundlage in Form von kleinen Fischen heute wieder vorfindet. Desweiteren wird der Grauhreiher oft gesehen. Die letzten Fischotter wurden um 1860 in Niederlungwitz geschossen.

Von der Hegebachmündung an abwärts bildet das Lungwitztal eine eigene Kleinlandschaft in Gestalt eines geradlinigen Muldensohlentales. Es überwiegen die flachen Hangformen der Letten. Nur unterhalb von St. Egidien bewirken feinstückige Konglomerate einen steilen und von zahlreichen Trockenschluchten gegliederten linken Talhang. Steilere Hänge beiderseits der Straße St. Egidien - Kuhschnappel sind an ein ausstreichendes Tuff- und Quarzporhyrband gebunden, das hier Steinbruchbetrieb auslößte.

Reste altpleistozäner Lungwitztalböden sind, von Lößlehm verkleidet, mehrfach vorhanden. Solche bis zu 6 m mächtige Terrassenschotter wurden z. B. am Bahnhof St. Egidien 15 - 25 m über der Aue angetroffen.

Die mit 300 - 400 m bemerkenswert breite Talaue verbirgt unter einer Decke sehr feinen, oft lehmigen Sanden gröbere Sande und Kiese. Weithin tragen die Hänge Lößlehmauflagen mit nordwestwärts abnehmender Staunässetendenz. Im Verein mit den nährstoffreichen Auensedimenten überwiegen somit die mittel- bis hochwertigen Bodenverhältnisse der tieferen Lagen des Erzgebirgischen Beckens. Naturgemäß eignet sich das Lungwitztal als Agrargebiet; zugleich fungiert es als Wohngebiet mit Industriestandorten und gilt mit der Bahnlinie Chemnitz - Glauchau auch als ein wichtiger Verkehrsträger.

Der Rümpfwald

Zwischen Glauchau und Lichtenstein erstreckt sich mit dem 748 ha umfassenden Rümpfwald das zweitgrößte geschlossene Waldgebiet des Erzgebirgischen Beckens. Sein nördlichster Teil, der jenseits der Straße St. Egidien - Glauchau in den steilen Lungwitzhang übergeht, ist seit dem 12.07.1968 Bestandteil des 149 ha großen Landschaftsschutzgebietes Erzgebirgsweg.

Der Rümpfwald stellt mit den angrenzenden Fluren eine eigene Kleinlandschaft dar, die von den weniger stark zu den stark mit pleistozänen Sedimenten bedeckten tieferen Teilen des Erzgebirgischen Beckens überleitet. Auf dem breiten Wasserscheidenrücken zwischen Mülsen- und Lungwitzbach entspringt eine Vielzahl kleiner Nebenbäche, die dessen Flanken , besonders im Nordosten, in dichter Folge zerkerben. Damit besteht hier das für die Oberrotliegendkonglomerate typische unruhige Kleinrelief. Ihre Verwitterungsdecken bestimmen im Norden und Südosten wie an den Tälchenhängen auch die Böden. Auf dem Rückenscheitel und auf den abzweigenden Nebenrücken hingegen verhüllt eine dünne sandige Geschiebelehmdecke verbreitet das Rotliegende. Dieses relativ dicht gelagerte Gletschersediment der älteren Vereisungen lößt sich gegen Süden inselhaft auf. An den ostexponierten Hängen bestehen in zahlreichen kleineren Inseln Lößlehmauflagen, die im nördlichen Teil als dünner Schleier auch den Geschiebelehm überziehen. Diese schluffig-lehmigen und vorwiegend auf Flachformen erhaltenen Pleistozänsedimente liefern Braunstaugleye und Staugleye und bestimmen zusammen mit den mäßig trockenen Konglomeratbraunerden das Bodengefüge. Die Oligozänsande und -kiese (Tertiär) des Scheibenbusches bei Voigtlaide liegen schon außerhalb des Rümpfwaldgebietes.

Isoliert von diesen tertiären Ablagerungen, treten im Rümpfwald gleichaltrige Knollensteine (Braunkohlenquarzite) auf, ursprünglich tonige Sande, die von gelößter Kießelsäure durchtränkt und verkittet wurden. Der mächtigste Vertreter dieses Vorkommens ist die Steinerne Kuh, ein Naturdenkmal in Tiergestalt, das durch das Ablösen nicht verkieselter und daher leicht verwitterbarer Teile entstanden ist.

Der Waldname Rümpf (1518: "...ein holtz so an der Rumpf gelegen") und die davon abgeleiteten Namen der Einzelsiedlungen Klein- und Großrümpf bei Lichtenstein werden von Hengst als ursprüngliche Wald- bzw. Flurnamen gedeutet (spätneuhochdeutsch rumph = Baumstumpf).

Bis 1800 herrschten im Rümpfwald Tannen und Weißfichten vor, aber auch Erle, Buche, Eiche und Linde wuchsen dort. 1562 hieß es im Holzregister der niderrumpf: "10 Gulden ... vor 18 Tannen und Fichten und 12 trockenen Windbrüchen". Erwähnt werden aber auch oft Aspe, Hornling (Hainbuche?), Puchling (Buche) und Linde. Holzrechnungen lassen meist zufällige Nutzung erkennen, z. B. nach Schnee- und Windbrüchen (1715: "1139 Taler Erlös aus umgefallenem Holz"). Neben Nutzholz (z. B.  Pret-Baum oder Stuben-Polen) wurde hauptsächlich Feuerholz gewonnen.

Der Brennholzbedarf war - besonders für den Hof der Schönburger - in früheren Jahrhunderten außerordentlich hoch. So wurden 1690 innerhalb eines halben Jahres 277 Fuder "Scheid- und Brennholz" aus dem Rümpfwald gefahren, davon 16 Fuder für das Brauhaus, 9 für das Badehaus, 16 für das Amtshaus, 17 für die Kaßestube (Büro), 77 für das Malzhaus und 60 als Großherrliches Deputat. Als im 19. Jahrhundert der Holzbedarf wuchs - große Holzmengen wurden für Deputat, eigene industrielle Unternehmungen der Feudalherren und für Auktionen benötigt - , erfolgten die ersten planmäßigen Anpflanzungen der jetzt immer mehr bevorzugten Fichte. 1857 hatte man am Zwickauer Weg noch 28 m hohe Tannen geschlagen.

Der Rümpfwald galt früher als wildreich. Die Feudalherren schätzten ihn als Jagdgebiet, während die Fronbauern unter den Wildschäden und Belästigungen litten, die sich durch Jagddienste ergaben. Zur Bekämpfung der Wolfsplage gab es noch im 18. Jahrhundert Prämien: " Vor einen Wolf zu erlegen oder in Wolfsgruben zu fangen einen Gulden." Besonders die Stangendorfer Bauern waren verpflichtet, Wolfsgruben anzulegen und zu unterhalten.

Die vom westsächsischem Industriegebiet (Glauchau, Lichtenstein, Zwickau) ausgegangenen Abgase haben im Rümpfwald schon zeitig zu Rauchschäden geführt. Ihnen fielen bereits Ende des 19. Jahrhunderts die letzten Tannen zum Opfer. Messungen der Schwefeldioxid-Belastung in der bodennahen Luftschicht ergaben für den Zeitraum 1961 - 1964 einen Durchschnittswert von 0,2 Milligramm/Kubikmeter (Lampadius 1974). Hieraus resultierten besonders für die immergrünen Nadelhölzer Zuwachsverluste und erhöhte Dürrholzanfälle. Die rauchschadenbedingte Wertminderung wurde nach einem Berechnungsverfahren von Lampadius mit 27,6 % für Fichte und 23,8 % für Kiefer angegeben. Infolge der Kronenverlichtungen konnte sich das Waldreitgras (Calamagrostis epigejos) stärker als in anderen Wäldern ausbreiten. Es verdrängt in neuerer Zeit (1981) stellenweise das Zottige Reitgras (Calamagrostis villosa). Auch der Bergfarn (Lastrea limposperma) bevorzugt Stellen mit stärkerem Lichteinfall. Ferner wächst in feuchten Senken das Sumpfveilchen (Viola palustris) in größerer Anzahl, während die Vorkommen des Siebensterns (Trientalis europaea) seltener sind.

Nach dem totalem Ausfall der Tannen erfolgten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts größere Pflanzungen von Lärchen. Später wurden im zentralen Teil Weymoutskiefern und bei St.Egidien Stechfichten aufgeforstet.

Am nördlichen Rand des Waldes, an der Abzweigung der Straße nach Glauchau - Rothenbach, liegt das Ausflugslokal "Forsthaus". Gegenüber wurde 1910 das König-Georg-Stift errichtet, das heute als Pflegeheim dient.